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Gesundheitsnews





Arbeitszeitgesetz erweitert: für mehr Sicherheit, für mehr nötige Therapien
Arbeitszeitgesetz erweitert: für mehr Sicherheit, für mehr nötige Therapien


Arbeitszeitgesetz erweitert: für mehr Sicherheit, für mehr nötige Therapien

Auch wenn die Kontaktsperre verlängert wurde: die teilweise Lockerung sorgt für einen Hauch von Normalisierung. Ein Anlass für viele, ihre persönliche Situation und weiteres Vorgehen zu überdenken. Insbesondere was die eigene Gesundheit – außerhalb der Infektionsgefahr mit dem Coronavirus – betrifft: Was ist nötig, was nicht? Vor dem Ausbruch von SARS CoV-2 hat niemand die Bedeutung einer ergotherapeutischen Intervention angezweifelt. Daran, dass eine solche vom Arzt verordnete Behandlung wichtig für den Gesundungsprozess ist, hat sich nichts geändert. Diese ist zum Wohl des Patienten durchzuführen. Das sieht auch der Gesetzgeber so und hat unter anderem jetzt zusätzlich zu anderen Maßnahmen auch die Arbeitszeitgesetze entsprechend angepasst und ausgedehnt.

Die Ergotherapie-Praxen in Deutschland kommen ihrer Verpflichtung zu einer ausgeweiteten Versorgung flächendeckend nach. Ebenso flächendeckend: Die Unklarheiten und Zweifel bei Betroffenen. Teils aus Unwissenheit, aber ebenso aus der fortbestehenden Furcht sich zu infizieren, gibt es noch immer Patienten, die ihre Termine in Ergotherapie-Praxen nicht wahrnehmen, die Therapie abbrechen oder keine neuen Behandlungstermine vereinbaren. „Ein klärendes Gespräch mit den behandelnden Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten sollte aber unbedingt erfolgen“, bestärkt Andreas Pfeiffer, Vorsitzender des DVE (Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V.) diejenigen, die mit sich im Zwiespalt sind. Was ist wahrscheinlicher? Das Risiko einer Infektion mit dem Coronavirus oder die Verschlechterung des Gesundheitszustands durch einen Therapieabbruch?

Ergotherapeuten zeichnen sich durch ihr individuelles, auf die Möglichkeiten des jeweiligen Patienten bezogenes Vorgehen aus. „Dieser Grundsatz ist in jeder Hinsicht auch hier maßgeblich“, sagt Pfeiffer. Gemeinsam mit dem Betroffenen wägen Ergotherapeutinnen ab, was im Einzelfall am besten funktioniert. Das kann eine Änderung des Therapiekonzepts oder der Behandlungsform sein. Anstatt die Behandlung in der Praxis vorzunehmen, kann auch über Video auf telemedizinischen Weg vieles erreicht und besprochen werden. Und last but not least führt insbesondere die durch den Gesetzgeber vorgesehene mögliche Ausdehnung der Arbeitszeiten auf bis zu 12 Stunden täglich an allen Wochentagen, also auch an Sonn- und Feiertagen, zu mehr Kapazitäten, aber auch zu mehr Sicherheit. Mehr Abstand zwischen den einbestellten Patienten bedeutet reduziertes Kontaktrisiko, mehr Zeit für Hygienemaßnahmen oder Zeit zum kräftigen Durchlüften des Behandlungsraums.

Niemand muss in Kauf nehmen, dass sich sein Gesundheitszustand oder seine seelische Verfassung verschlechtern. Das kann schlimmstenfalls irreparable Folgen haben, was die Betroffenen in aller Regel nicht selbst einschätzen können. „Darum ist der Austausch und die professionelle Beratung von Patienten so wichtig, damit diese fundiert entscheiden können, ob und wie sie ihre Therapie fortsetzen“, betont der Verbandsvorsitzende Pfeiffer. Was in der Krise niemand braucht, ist körperlich oder seelisch angeschlagen zu sein. Krisen meistern diejenigen besser, die auf allen Ebenen gestärkt sind.


Wann Rückenschmerzen chronisch werden
Wann Rückenschmerzen chronisch werden


Die Psyche spielt eine entscheidende Rolle, wenn aus akuten Schmerzen andauernde werden. Warum manche Menschen gefährdeter sind als andere.

Bei rund 35 bis 40 Prozent aller Rückenschmerzpatienten sind die Beschwerden von Dauer. Die Art und Weise, wie man die Schmerzen empfindet und wie sehr sie in der Folge das eigene Leben beeinträchtigen, kann jedoch von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein.

Prof. Dr. Monika Hasenbring beschäftigt sich seit langem mit der Frage, welche Bedeutung die individuelle Schmerzverarbeitung für die Entwicklung chronischer Beschwerden hat, denn sie weiß, dass diese kein rein medizinisches, sondern auch ein psychologisches Phänomen sind.

Vier Risikogruppen

Als Leiterin der Abteilung für medizinische Psychologie und medizinische Soziologie der Ruhr-Universität Bochum (RUB) hat sie bereits vor Jahren ein Modell der Schmerzverarbeitung entwickelt, bei dem sie Patienten einer von vier Risikogruppen zuordnen kann. Dieses Modell helfe, geeignete Diagnose- und Therapieformen auf die verschiedenen Risikogruppen abzustimmen.

Die erste Gruppe reagiert demnach sehr ängstlich auf Schmerz und deutet ihn typischerweise als Symptom einer schweren Erkrankung. In der Folge vermeiden diese Menschen alle möglichen Situationen, die eventuell den Schmerz auslösen könnten. Inaktivität und Muskelschwäche sind die Folgen, welche wiederum Schmerzen und die negative Stimmung begünstigen.

Durchhalteparolen verschlimmern den Schmerz

Zur zweiten Gruppe gehören Menschen, die die Schmerzen unterdrücken – sowohl gedanklich als auch in ihrem Verhalten. Mit Leitsätzen wie „Stell dich nicht so an“ oder „Denk nicht an den Schmerz“ zwingen sie sich selbst zum Durchhalten. Eine Strategie, die sich nicht unbedingt positiv auswirkt, denn diese Personen legen keine entspannungsfördernden Pausen ein. So kann es auch hier zu einer Verstärkung der Schmerzen kommen.

In der dritten Gruppe finden sich Patienten, die sich vom Schmerz ablenken können. Sie schaffen es, eine positive Stimmung aufrechtzuerhalten. Da sie aber auch dazu neigen, ihren Körper nicht zu schonen, kommt es bei ihnen ebenfalls häufig zu einer Verschlimmerung der Beschwerden.

Balance zwischen Be- und Entlastung

Einzig Personen, die sich der vierten Gruppe zuordnen lassen, schaffen es durch ihre Einstellung und ihr Verhalten, ihre Schmerzen zu reduzieren. „Diese Menschen reagieren recht flexibel auf den Schmerz“, beschreibt Monika Hasenbring ihre Erfahrungen. „Sie finden eine Balance zwischen Be- und Entlastung und legen auch mal Pausen ein, meiden Bewegungen aber nicht“, so die Wissenschaftlerin.

Auch Leistungssportler leiden unter Rückenschmerzen

Aktuell beschäftigt sich Monika Hasenbring mit der Frage, ob dieses Modell auch auf Leistungssportler mit Rückenschmerzen anzuwenden ist. Im Rahmen des bundesweiten interdisziplinären Forschungsnetzwerks Medicine in Spine Exercise, welches unter dem Label „Ran Rücken“ vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft gefördert wurde, verglich sie Daten aus der Allgemeinbevölkerung mit denen von 200 Sportlerinnen und Sportlern, die angaben, unter Rückenschmerzen zu leiden. Das Ergebnis der Befragungen: Obwohl man denken könnte, dass Leistungssportlerinnen und Leistungssportler ein besonderes Verhältnis zu ihrem Körper haben, sind sie hinsichtlich ihrer Risikofaktoren für die Chronifizierung von Rückenschmerzen der Allgemeinbevölkerung sehr ähnlich, sie passen in dasselbe Modell.

„Unsere Erkenntnisse können den Betroffenen helfen, denn die kognitive Einstellung zum Schmerz ist etwas, was wir durch Psychotherapie ändern können“, erklärt Hasenbring. „Wenn wir den Patientinnen und Patienten klarmachen können, in welchem Kreislauf aus Gedanken und Schmerzverstärkung sie sich befinden, können wir ihnen auch Lösungen aufzeigen, besser mit der Situation umzugehen.“


Bewegung und körperliche Aktivität gerade jetzt
Bewegung und körperliche Aktivität gerade jetzt


Bewegung und körperliche Aktivität gerade jetzt

Quarantäne, Selbstisolation, Vermeidung sozialer Kontakte, Homeoffice – Bewegung und Ausgleich sind gerade in der aktuellen Situation für viele Menschen wichtiger denn je: Bewegung und körperliche Aktivität fördern nachweislich das psychische und körperliche Wohlbefinden, meint auch Prof. Jens Kleinert vom Psychologischen Institut der Deutschen Sporthochschule Köln: „Die Studienlage ist recht eindeutig. Je schlechter wir uns fühlen, desto mehr profitieren wir von körperlicher Aktivität. Das gilt gleichermaßen für die Stimmungslage und für das körperliche Befinden.“

Doch was tun? Die Fitnessstudios sind geschlossen und auch die Sportvereine bieten kein Programm. Kleinert: „Jetzt ist Einfallsreichtum gefragt. Im Homeoffice alle dreißig Minuten den Wecker stellen und fünf Minuten Gymnastik oder ein kleines Workout am offenen Fenster machen. Wenn nicht jetzt, wann dann?" Und wer sich nicht selbst organisieren möchte, für den gibt es das Fitnessstudio auch online. Aber auch der Sport in der freien Natur ist laut Kleinert gerade jetzt wichtig. „Wir sollten, wo immer möglich und so lange wie möglich, das Bewegen in der freien Natur suchen. Gerade jetzt ist die Zeit, den Waldspaziergang mit der Familie oder dem Partner wiederzuentdecken. Wobei wir natürlich die Vernunftsregeln des Robert-Koch-Instituts beachten sollten.“

Regeln beachten und trotzdem kreative Bewegungsformen finden – das ist möglich. Aber was ist mit dem für viele Menschen vermutlich schönsten Teil des Sports, dem Zusammensein? „Nutzen Sie gerade jetzt virtuelle Verabredungen“, empfiehlt Kleinert. „Ermuntern und unterstützen Sie andere beim Aktivwerden oder Aktivbleiben mit Textnachrichten oder Bildern von sich oder anderen. Gerade jetzt ist sozialer Kontakt, wenn auch nicht physisch, besonders wichtig.“

Umdenken und neue Wege suchen könnte auch eine Chance sein, so der Experte. Eine Chance zu einem Neuanfang – auch für Bewegung und körperliche Aktivität.

20.05.2020 DGA | Quelle: Deutsche Sporthochschule Köln